Brandschutz

Strohhaus: sicher und feuerbeständig

Brandschutz ist eine der wichtigsten Voraussetzungen der allgemeinen Bauvorschriften. Obwohl das lose Stroh schnell und leicht brennbar ist, weisen die Strohballen große Widerstandsfähigkeit auf.

Nach Europäischen Normen muss ein Baustoff die Anforderungen der Brennbarkeitsklasse B2 (normal flammbar) erfüllen, erst dann darf er in eine Außenwand eingebaut werden. Das gilt auch für das Stroh. Dass das in Ballen gepresste Stroh als Baustoff gut geeignet ist, haben die Brandtests bestätigt, die in mehrere verschiedenen Ländern durchgeführt worden sind.

Deutschland, 4. Juli 2003. Die Materialprüfanstalt Braunschweig testete eine mit Lehm verputzte Wand aus Strohballen auf Feuerbeständigkeit. Die Wand wurde einseitig befeuert. Die Strohballenwand hat in der Brennkammer bei einer Temperatur von 1000 Grad Celsius einen 90-minütigen Widerstand geleistet.
Initiator des Tests war der Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V (FASBA). Der Geschäftsführer Dirk Scharmer sagt über den Test: „Wir haben F90 (90 Minuten Brandwiderstand) erreicht. Das ist ein sehr guter Wert. Wir hätten nur F30 (30 Minuten Brandwiderstand) gebraucht, aber mit diesem Ergebnis sind wir noch flexibler und können auch im mehrgeschossigen Wohnungsbau Wände errichten.“

Bilanz des Tests:

  • Die Außenseite der Wand hat sich keine Zehn Grad Celsius erhitzt.
  • Es gab keinen Rauchaustritt.
  • Die Wand hat sich nicht verformt.

Albuquerque, New Mexico. Während eines Tests (SHB AGRA-Test) wurde eine unverputzte Strohballenwand einseitig befeuert. Sie bestand den F30-Test (30 Minuten Brandwiderstand). Nach rund 35 Minuten sind die Flammen an der anderen Seite durchgedrungen. Als nächstes wurden die verputzten Strohwände getestet. Der Widerstand dauerte 120 Minuten, was nach DIN 4102, Teil 2, der Brandwiderstandsklasse F120 entspricht.

In Österreich wurden mehrere Strohballen untersucht.  Die Gruppe Angepasste Technologie an der TU Wien (GrAT) berichtet: „Die Bauteilüberprüfung nach ÖNORM wurde an einem Muster-Wandteil in den Abmessungen 250 mal 228 Zentimeter und einer Dicke von 43 Zentimeter durchgeführt. Hier wurde die Holzkonstruktion mit der Strohballendämmung zusätzlich beidseitig mit einer Bretterschalung verkleidet (Wind-Aussteifung), hierauf wurde das Putzgitter befestigt und danach mit Lehm (innen) und Trassitkalk (außen) verputzt. Die brandtechnische Überprüfung dieses Bauteils ergab F90 (brandbeständig)“.

Obwohl das lose Stroh schnell und leicht brennbar ist, weisen die Strohballen große Widerstandsfähigkeit auf. Das Geheimnis liegt in der Pressdichte (90 bis 150 Kilogramm pro Kubikmeter). Im Bericht an die kanadische Baubehörde ist zu lesen: “Brandtests nach ASTM-Richtlinien haben ergeben, dass sich verputzte Strohballen-Wände als besonders beständig gegen Feuer erweisen. Strohballen halten genug Luft, um einen guten Dämmwert zu garantieren, aber aufgrund ihrer kompakten Pressung zu wenig Luft, um eine Verbrennung zu erlauben.“

 

Weitere Informationen:

Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V

Strohballen-Brandschutztest in Braunsschweig

Wandsysteme aus nachwachsenden Rohstoffen. Wirtschaftsbezogene Grundlagenstudie, Gruppe Angepasste Technologie an der TU Wien (GrAT)(PDF Datei)



Brandtest

Feuerwiderstand dauerte 90 Minuten

 

 

 

 

 

 

 

Brennkammer

Einblick in der Brennkammer während
des Brandtests